Hochsensibilität in Führung
Viel wahrzunehmen ist eine Stärke.
Sich darin selbst zu führen, entscheidet, was daraus wird.
Du bekommst mehr mit, als andere vielleicht ahnen.
Du merkst früh, wenn sich etwas verändert. Du hörst Zwischentöne, erkennst Spannungen und bemerkst oft schon während eines Gesprächs, was nicht ausgesprochen wird.
Du siehst Zusammenhänge, denkst Auswirkungen voraus und hast nicht nur die Aufgabe im Blick, sondern auch die Menschen, die sie umsetzen sollen.
Das kann in Führung eine große Stärke sein.
Denn während andere noch auf das reagieren, was offensichtlich wird, hast du häufig längst registriert, dass etwas in Bewegung ist.
Doch viel wahrzunehmen bedeutet noch nicht, sich selbst darin führen zu können.
Denn mit jeder Information, die du aufnimmst, geschieht auch etwas in dir.
Und genau dort wird es interessant.
Was machst du mit dem,
was du wahrnimmst?
- Du hast eine Entscheidung getroffen. Sachlich ist sie richtig. Im Meeting bemerkst du trotzdem, dass jemand nicht mitgeht.
Was geschieht danach in dir? - Du merkst, dass ein Mitarbeiter überfordert ist, obwohl er selbst sagt, dass alles in Ordnung ist.
Kannst du das stehen lassen? - Du nimmst Spannung zwischen zwei Menschen wahr, obwohl keiner von beiden sie anspricht.
Wessen Aufgabe wird sie in diesem Moment für dich? - Jemand reagiert enttäuscht auf eine Entscheidung von dir.
Bleibt seine Enttäuschung bei ihm oder beginnt sie, deine Entscheidung zu beeinflussen?

Vielleicht nennst du es
Verantwortungsbewusstsein.
Du denkst noch einmal über das Gespräch nach, weil du gründlich bist.
Du wägest deine Entscheidung erneut ab, weil du verantwortungsvoll führst.
Du versuchst, die Spannung im Team zu lösen, weil dir ein gutes Miteinander wichtig ist.
Du fängst auf, was ein Mitarbeiter gerade nicht tragen kann, weil du Menschen nicht hängen lässt.
Du erklärst noch einmal, weil du möchtest, dass deine Entscheidung verstanden wird.
Und vielleicht stimmt das alles.
Die interessantere Frage ist: Könntest du es auch lassen?
Verantwortungsbewusstsein
oder inneres Müssen?
Wenn du dich frei dafür entscheidest, ein Gespräch noch einmal zu führen, ist das etwas anderes, als wenn du innerlich keine Ruhe findest, bis die Spannung geklärt ist.
Wenn du einen Mitarbeiter unterstützt, weil es deine Führungsaufgabe ist, ist das etwas anderes, als seine Überforderung nicht aushalten zu können.
Wenn du eine Entscheidung überprüfst, weil neue Informationen vorliegen, ist das etwas anderes, als sie infrage zu stellen, weil jemand enttäuscht von dir ist.
Du musst nicht lernen, weniger wahrzunehmen.
Deine feine Wahrnehmung ist nicht das, woran wir arbeiten.
Wir schauen auf das, was danach geschieht.
- Was interpretierst du?
- Was übernimmst du?
- Wo fühlst du dich verantwortlich?
- Wo wird aus einem Wahrnehmen ein inneres Müssen?
In meinem Coaching machen wir sichtbar, was dich in diesen Momenten unbewusst führt. Wir unterscheiden zwischen dem, was tatsächlich zu deiner Verantwortung als Führungskraft gehört und dem, was du längst automatisch zu deiner Verantwortung gemacht hast.
Denn das Ziel ist nicht, härter zu werden. Das Ziel ist, frei entscheiden zu können, was du mit dem machst, was du wahrnimmst.
Copyright by Susanne Willke – Personal Coaching Hamburg